kroneUnser Präses, Pastor van Doornick, hat in diesem Jahr ein Gedicht in der Kirmesmesse als Predigt gehalten. Er hat es uns wieder zur Verfügung gestellt, vielen Dank dafür!

 

Das andere Kirchweihfest 2020

Zur Kirmesmess‘ sind wir gemeinsam geladen.
Wir kommen staffiert, schön gespickt bis zum Kragen.
Da kommen die Kleinen, die Großen, die Schönen,
da kommen in Schale die Herren und Möhnen,
da kommen sie einzeln und viel auch zu Zweien,
besetzen coronakonform hier die Reihen.
So kommen schon sechshundert Jahr hier die Leute
und feiern die Kirmes zu Jakobus wie heute.
Die Weihe der Kirche war Ausgangspunkt viel
zu feiern im Städtchen, da ging los stark das Spiel:
Ein Umzug, ein Markt, hier das Treiben und Essen,
und da auf Musik und auf Umzug versessen.
Elisabeth Becker und Johannes ihr Männe,
die Zwei im Altar aus der Historie ich kenne.
Und heute geh ich durch die Kirch mit den Beiden,
schau hier, wie Ideen in Bilder sich kleiden
Gedanken, Geschichten, Gestalten und Worte,
die helfen uns deuten die Kirch hier im Orte.
Wir meinen so oft, die muss jeder kennen,
aber dies oder jenes kommt neu uns. Wir rennen
ja all die Kirch ein nicht zu oft heutzutage:
So hört, was im Einzelnen zur Kirch ich hier sage.

 

Jakobus heißt uns all willkommen,
die in die Kirche gehn zusammen.
Er stellt die Bibel vorn heraus,
ohn die kommt kein Mensch richtig aus.
Er sitzt am Himmelstor, zumal
er lädt zum Himmels-Hochzeitsmahl,
stützt sich „stab“-il auf Gott behütet.
Das Knopfloch zeigt, man lebt begütert.
Er legt die Hand aufs Haupt ihr sachte.
Man fragt sich, was er da wohl machte?
Die Frau, die fromme, gute Mama
für Kirche, Küche, Kinder, Kammer?
Dies Frauenbild, sooft noch Plage,
bei uns kommt heute nicht in Frage.
Jakobus trauert mit der Frau,
die stiftet den Altar genau
vor mehr als fünfhundert an Jahren.
Fürs Seelenheil ihr Beter waren.
Auch wir tun dies jetzt noch nach Jahren, in all der Welt wild, laut Gebaren: Wir beten, dass die Menschen fröhlich im Glauben wachsen still und glücklich.

St. Anna rechts im Altarbilde
führt mit drei Männern was im Schilde.
Die heil'ge Sippe zeigt uns heute,
was stark ausrichten wenige Leute
mit Heiligkeit und Gottvertrauen.
So auf ihr Zeugnis wir heut schauen,
obwohl wir mit der Heiligkeit,
so oft nicht haben Eiligkeit.
Verwandtschaft, Sippe: Die ist wichtig.
Für junge Leute so oft nichtig.
Im Älterwerden alle merken,
wie die Familie kann uns stärken
in Unglück, Krankheit, Lebensnöten.
Auch wenn wir’s sehen erst in späten,
in älteren, reiferen Lebenslagen:
Familie hilft an vielen Tagen,
nicht nur an Feiern, Jahrestreffen.
Geschwister und Cousinen, Neffen,
Großeltern, Enkel: Man kann halten
zusammen Leben und gestalten
an Tagen auch im Lebensreigen,
wo unser Himmel nicht „voll Geigen“.
Ein Paar kann viel davon berichten,
mehr als ich weiß und kann erdichten.

Der Bischof Augustinus lebte
zunächst, dass er sich sehr vergnügte
mit Frauen, Feiern und Gelüsten,
man weiß nicht mehr, wie viel’ ihn küssten,
bevor durch Mutters drängend’ Beten
sein Leben kam dann erst in späten
verändert Zeiten tief zum Glauben,
wurd Bischof nach Ambrosius’ Taufe,
zeigt heut das Herz mit brennend´ Güte,
weist uns aus Glauben Rat zur Liebe.
Er selbst an Gott sich liebend wandte:
„Ach, dass ich dich so spät erkannte!“
Aus Gottesliebe, rät er Paaren,
die frisch verliebt mit Haut und Haaren,
aus Gottesliebe wird man handeln
stets angemessen und wird wandeln
auf Ehepfaden sicher, glücklich:
Die Liebe steuert uns geschicklich.
Sein „Liebe! Tu dann, was du möchtest!“
ist weiser Lebensrat: Nichts Schlechtes
wird tun, wer liebend lebt. Dies zeigen
uns Eheleut als Liebende im Lebensreigen.

St. Rochus, der verkannte Pilger,
war auf den Hund gekomm’n. Die Bilder
ihn zeigen mit dem Bein voll Beulen,
weil er wollt Pestbefallne heilen.
Verkannt er starb. Rehabilitieren wollt man ihn.
Eheleute spüren, Verdachtsmomente sich auflösen,
wenn mit der Liebe, statt mit bösen
Gedanken man den Partner sehen
kann und einander dann verstehen.

Besloten Hoffjes kann erblicken
man mit so winzig kleinen Stücken
an Kostbarkeiten, zarten Zweigen,
die die Beginen konnten zeigen.
Das sei den Paaren gut geraten,
dass sie den kleinen, schönen, zarten
Ereignissen und Lebenszeichen
Beachtung schenken. Sie erreichen
so mehr oft als mit großen Sachen.
Ein kleines Wort, ein frohes Lachen,
ein kleines Schmuckstück, überraschend,
wird denen, die Lebensglück erhaschend,
ganz achtsam, zärtlich und empfindsam
im Umgang, freundlich und aufmerksam,
einbringen viel an innrer Nähe.
Glück groß wächst, wenn ich Kleines säe.
In schicken Renaissancearbeiten
zeigen sich Frau'n und „Herr“-lichkeiten.

Johannes, Petrus, Paulus stehen
mit Magdalena hübsch zu sehen.
Wert auf das Äußere zu legen,
lässt mancher Mann sich nicht bewegen,
der seinerseits beim Bild der Frauen
dort nicht genug kann Schönes schauen.
Die äußre Schönheit zeigt mit Sinnen
das Wesen und ganz viel vom Innen.
Ein Leben lang die Zwei entdecken
noch Neues, Schönes, Kluges, Nettes.
Da darf man ruhig Neugier haben:
Gott hat beschenkt uns reich mit Gaben,
die schlummern oft ein Leben lang.
So Partnern braucht nicht zukunftsbang
vor Ödnissen und Langeweilen,
wenn beide aktiv lieben, teilen.

Das Lebensglück geht nicht in Stücke,
wenn beiden es noch täglich glücke,
was Crispin, Crispinianus wussten,
bei „Schusters Leisten“ bleiben mussten.
Zwei Partner finden oft nach Jahren,
dass andre hübscher, klüger waren,
dass andre reich, mehr lustig bleiben
und dies und jene Herrlichkeiten
noch haben mehr, als man sich dachte
und eigne Ehe es erbrachte ...
Wer Augenmaß und Selbsteinschätzung,
Geduld, Verständnis, Selbstbeherrschung,
Verzeihn und Nachsicht weiß zu pflegen,
dem „Schusters Leisten“ ist ein Segen.
Es gilt in allen Ehesachen,
statt glücklich sein mehr glücklich machen.

Johannes auf dem Predigthorte
findet fürs Volk die herben Worte
des Umkehrrufens, der Kehrtwendung
und findet darin seine Sendung,
für Jesus Wege zu bereiten
in all der Leute Tun und Treiben.
Dies Partner können schön sich schenken,
dass sie sich hin zu Jesus lenken,
dass Jesus in die Mitt’ sie lassen
und täglich sich damit befassen,
dass sie in ihrem Ehebunde
als Dritten Jesus gern im Bunde
dazwischenrufen, dass er stärke
bewusst bei ihnen Liebeswerke.
Am See ja Jesus wollt ausschauen
nach Jüngern, die zu zweit mitbauen
an seinem Reich, der Welt voll Liebe,
die ohne Eh’leut lieblos bliebe.
Ein Ehepaar als Paar von Jüngern
will brauchen Gott in Liebesdingen.
Ein Ehepaar wirkt schöpferisch
durch Kinder an der Schöpfung mit.
Dies dürfen dankbar auch begehen,
wenn jetzt vor Gott wir heute stehen.

Der Märtyrer-Ritter Georg kämpfte,
dass er des Bösen Kräfte dämpfte.
Zur Taufe wollt das Dorf er führen,
ließ seine Kraft den Drachen spüren.
Das Gute ist nicht tot zu kriegen,
der Glaube hilft, stets noch zu siegen.
Dass Eheleute ritterlich
verhalten und benehmen sich,
dass aus dem Sakrament sich Kräfte
entwickeln für all die Geschäfte
sich glaubensstark und sehr lebendig:
das jungen Paar’n wir wünschen ständig.
So weiter in den Kirchenecken
wir können vieles noch entdecken,
was Menschen heute Sinn kann weisen,
dass sie in stillen Stunden, leisen,
des Glaubens Kräfte sich entfalten,
die Gottgeschenke gut verwalten,
der Liebe Gaben sich erfreuen,
und dann in täglich immer neuen
Ideen und Taten uns viel zeigen,
was miteinander sie aufweisen.

Grad im Altar „Marien-Leben“
ist vieles uns ja mitgegeben,
wie Joachim und Anna fanden
sich, ihre Liebe eingestanden,
wie Josef und Maria achtsam
mit Gottes Weisung gut und wachsam
uns Jesus allen Menschen brachten,
der Welt Erlösung möglich machten.
Wir sehen heut, wenn Menschen viel
einbringen in des Lebens Spiel,
dass eines Lebens kurze Zeit
hat so viel Liebesmöglichkeit,
hat so viel an Gestaltungskraft,
die so viel Schönes möglich macht,
einander und auch der Umgebung.
Das wär uns allen Hilf, Erhebung,
wenn viele ihre guten Gaben
noch lange weiter für uns haben.

Doch dem zuvor sei heut der Dank,
das Lob an Gott, der uns ja fand
bereit zu einem Christenleben.
So wir gemeinsam Dank erheben
mit Freunden und der Kalkarmeute,
mit der Gemeinde: Alle Leute
den Geber alles Guten preisen,
der Menschen mit dem lieben, weisen
Gemüt mög lassen lang erleben,
was sie an Gutem der Welt geben,
wenn sie in Treue tun das Wahre
an jedem Tag der Lebensjahre.
Die Kirch hier mög uns viel anleiten,
in guten und in schweren Zeiten
als Christenbürger gern zusammen
zu flehn um Hilfe und Erbarmen,
um die Gesundheit, Lebensfreude
für Arme, Schwache: Dies Gebäude
sei Himmelshinweis, Ort der Ruhe
in aller Hetze, Hast, Getue.
Gott segne stets das Mühn und Sorgen
und schenk uns reich ein frohes Morgen!


© 2020 Alois van Doornick

mi

 
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     Mitglied im Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften
     und der Kreis Klever Schützenvereinigung 1952 e. V.

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